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Im Gespräch mit der Verfahrensingenieurin Anika Nakladal

Im Gespräch mit der Verfahrensingenieurin Anika Nakladal

Anika Nakladal arbeitet als Verfahrensingenieurin bei Evonik Technology & Infrastructure GmbH in Hanau. Sie ist dort für den Bereich Particle Processing, Process Technology & Engineering zuständig. Wir sprachen mit ihr über ihre Arbeit und auch über persönliche Dinge. 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, nach dem Besuch eines musischen Gymnasiums Chemie- und Bioingenieurwesen zu studieren?

Ich war schon immer vielseitig geprägt und so habe ich zwar gerne Saxophon gespielt, aber hatte sonst immer viel Spaß an Mathe, Physik, Bio und Chemie. Ausschlaggebend war am Ende eine Masterandin auf einer Berufsmesse, die mir über ihre Masterarbeit über die Produktion von Nudeln erzählte. Das formte mein erstes Bild, was eigentlich hinter Verfahrenstechnik steckt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Eine kunterbunte Mischung aus E-Mails beantworten, telefonieren, Meetings, in die Anlagen gehen und den Ist-Stand überprüfen und verstehen, Versuche in Pilotanlagen planen, betreuen, und manchmal selber durchführen, Fließbilder zeichnen und jede Menge kommunizieren. Gemeinsam Mittagessen, besprechen, erzählen und Erkenntnisse und Erlebnisse teilen gehört natürlich auch dazu.

Was begeistert/fasziniert Sie an Ihrer Arbeit?

Die Vielfalt! Kein Tag ist wie der andere, es gibt unendlich viel zu lernen, jede Anlage ist anders und hat ihre eigenen Tücken. Dabei den Prozess von Anfang bis Ende im Auge zu behalten, ist immer herausfordernd. Besonders gefällt mir aber die Arbeit mit so vielen verschiedenen Leuten. Von Operator, Tagschichtmeistern, Schlossern, Elektrikern über Ingenieure, Projektmanager, Betriebsleiter und Co. trägt jeder mit seiner Sicht zum Gelingen meiner Projekte Teil und ich lerne jede Menge dazu.

Wie wichtig war der sechsmonatige Auslandsaufenthalt für Ihre berufliche Entwicklung?

Das Praktikum an sich hat mich entgegen meiner Erwartungen doch dazu gebracht, in die Chemieindustrie zu gehen. Mir hat mal ein Prof erzählt: „Irgendwann kommt der Moment, in dem ihr vor so einer Chemieanlage steht und euch denkt, ja, das ist geil.“ Den gab es dann tatsächlich. Die Auslandserfahrung selbst hat mein Englisch ordentlich verbessert, mir mehr Selbstvertrauen gegeben und mir gezeigt, dass man jeder Ecke der Welt zu schätzen lernen kann. Und ja es ist auch schön immer noch gute Kontakte zu haben.

In Ihrer Freizeit sind Sie als Kitesurferin auf dem Wasser und sind auch ausgebildete Kitesurf-Lehrerin. Wirkt sich dieses Hobby und die Lehrtätigkeit positiv auf Ihren Job aus?

Ich denke schon. Man trifft die unterschiedlichsten Menschen und versucht, ihnen etwas beizubringen, sodass sie dabei auch noch Spaß haben. Das schult die Menschenkenntnis.

Nebenbei sind Sie auch noch ehrenamtlich beim VDI engagiert. Müssen Frauen im Ingenieursberuf mehr leisten als Männer, um anerkannt zu werden?

Viele meiner männlichen Kollegen sind sogar noch aktiver in Fachausschüssen und Gremien unterwegs. Ich denke nicht, dass das zwingend am Geschlecht liegt. Ich habe mich einfach immer gerne für den VDI engagiert, weil sich dort über die Jahre sehr schöne Freundschaften entwickelt haben, mit denen es immer Spaß macht, gemeinsam an neuen Projekten und Ideen zu arbeiten und direkt Resultate zu sehen.

Was sollten Arbeitgeber und Politik Ihrer Meinung nach tun, um mehr Frauen in Ingenieurberufe zu bekommen?

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann war es, dass es eben nicht komisch beäugt wurde, wenn ich Lust hatte, mit Lego zu spielen, zu handwerken und an Solarzellen zu basteln und das auch unterstützt wurde. Ich denke, es sollte weiterhin viele Programme und MINT-Tage geben, die mehr Mädchen die Chance geben, sich in Technik zu verlieben. Wichtig ist in meinen Augen aber auch, Frauen die Angst zu nehmen, als Ingenieurin eine Karriere machen zu müssen, die viel Arbeit, wenig Zeit und keinen Raum für Kinder bedeutet. In Sachen flexible Arbeitszeiten und Jobsharing ist hier noch viel Potenzial nach oben, vor allem im Bereich der Produktion.

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Veröffentlicht von

Eva Linder

Das Schöne an der VERFAHRENSTECHNIK ist für mich die Branchenvielfalt und die Nähe zum Anwender.

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