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Bei J.D. Neuhaus steht der Mensch im Mittelpunkt

Bei J.D. Neuhaus steht der Mensch im Mittelpunkt

Von der Schmiede in Heven hat sich das Unternehmen J.D. Neuhaus im Laufe von 275 Jahren zum Weltmarktführer in der pneumatischen und hydraulischen Hebetechnik entwickelt, mit Kunden in 70 Ländern der Welt. Die Grundlagen für das tagtägliche Handeln werden im JDN-Weg untermauert.

Die Corona-Krise setzt der Weltwirtschaft hart zu. Es gibt wohl kaum ein Unternehmen, das nicht von den Beschlüssen der politischen Entscheidungsträgern betroffen ist, die zur Eindämmung der Pandemie verabschiedet wurden. „Wir haben keine Zeit verstreichen lassen und uns sofort auf die Auswirkungen vorbereitet und haben entsprechende Maßnahmen eingeleitet“, so Wilfried Neuhaus-Galladé, geschäftsführender Gesellschafter der J.D. Neuhaus GmbH Co. KG, Witten-Heven. „Jeder Mitarbeiter hat zum Beispiel eine Schutzmaske und ein Schutzvisier erhalten, wenn sich aufgrund der Tätigkeiten der Sicherheitsabstand zwischen den Kollegen nicht einhalten lässt. Mitarbeiter, die bis dato in unserem Großraumbüro ihren Aufgaben nachgegangen sind, haben wir auf mehrere Gebäude auf dem Unternehmensgelände verteilt. Des Weiteren haben wir einen Blog ins Leben gerufen, in dem sich das Personal über Themen bezüglich der Corona-Krise informieren kann. Die Inhalte werden in regelmäßigen Abständen aktualisiert.“

Wilfried Neuhaus-Galladé

Die Schutzvisiere produziert der Hebezeughersteller für seine Mitarbeiter über die firmeneigenen 3D-Drucker in Eigenregie. Da die Leistungsfähigkeit der 3D-Drucker-Flotte durch den Eigenbedarf an Visieren nicht ausgeschöpft ist, werden auch für das Personal in Arzt- und Zahnarztpraxen in Witten entsprechende Schutzausrüstungen zur Verfügung gestellt.

Ein Merkmal der Unternehmenskultur des Hebezeugherstellers aus dem Ruhrgebiet ist die zuvor bereits erwähnte offene Kommunikation. Des Weiteren gehören dazu, die Anforderungen der Kunden an die erste Stelle der eigenen Überlegungen zu stellen sowie verantwortungsbewusst zu agieren. Alle die Unternehmenskultur prägenden und beschreibenden Werte wurden im sog. JDN-Weg festgehalten (siehe Kasten). Die drei Wertepaare Tradition & Innovation, Performance & Langlebigkeit, sowie Partnerschaftlichkeit & Leidenschaft setzen den Grundstein für das tägliche Handeln.

Dabei ist es Neuhaus-Galladé wichtig zu betonen, „dass der JDN-Weg gemeinsam mit der Neuhaus-Kernfamilie und den Mitarbeitern entstanden ist. Wir verstehen dieses Papier nicht als ein für alle Zeit festgeschriebenes Dokument. Vielmehr kann und soll das Papier flexibel auf neue Randbedingungen angepasst werden, immer aber auf der Basis unserer Wertepaare. Diese Veränderungen müssen aber immer von jedem mitgetragen werden. Durch das Papier können unser Personal aber auch unsere Lieferanten und Kunden nachvollziehen, warum wir so arbeiten wie wir arbeiten. Dies erhöht die Transparenz, das Vertrauen und das Verständnis für unser Handeln.“

Mit Leidenschaft bei der Sache…

Und das Engagement in Sachen JDN-Weg zahlt sich aus, wie sich am aktuellen „Produktionssystem“ zeigen lässt. Vor etwa 15 Jahren hat man sich auf die Reise der systematischen Verbesserung des „Produktionssystems“ gemacht. In klassischen Change-Projekten wird vielfach versucht, die vier Produktionsfaktoren (Mensch, Maschine sowie Material und Methode) zu optimieren. Doch darin sieht Neuhaus-Galladé eine der Ursachen dafür, dass Change-Prozesse zwar vielfach durchgeführt werden, aber nicht immer gelingen: Weil der Mensch als Produktionsfaktor verstanden wird, gleichgesetzt mit der Maschine, dem Material und den Methoden. Bei einer derartigen Betrachtungsweise wird der Mensch als ein Kostenfaktor angesehen, anstatt ihn als Individuum einschließlich seiner Kreativität und seinen Ideen zu begreifen. „Kein Wunder also, dass dann die Motivation der Mitarbeiter häufig auf der Strecke bleibt – und viele Veränderungen von vorneherein zum Scheitern verurteilt sind. Dies wollten wir auf jeden Fall verhindern.“

Schritt für Schritt, mit Herz und Verstand

Ratsam ist es, bewährte Erfolgsgewohnheiten zu überprüfen, an diese anzuknüpfen und sie an neue Rahmenbedingungen anzupassen. Doch um auf solche sanften Verbesserungen anstelle von ständigen knallharten Veränderungen zu setzen, braucht man keine starre Change-Methodik. Gefragt sind vielmehr die Fähigkeiten und Ideen der Mitarbeiter – also derjenigen, die eng mit dem Prozess verbunden sind. Denn sie haben die Motivation und das Wissen, Verbesserungspotenziale zu erkennen. Die Mitarbeiter sind in der Lage, Gutes noch besser zu machen und nur das zu verändern, was tatsächlich korrigiert werden muss. Der Mensch wurde sozusagen in den Mittelpunkt gerückt und nicht die Maschinen.

… und nicht „Dienst nach Vorschrift“- nur so lassen sich immer bessere Lösungen realisieren

In diesem Sinne fanden die Analyse, die Optimierung und der Umbau des „Produktionssystems“ bei J.D. Neuhaus statt. Am Ende dieses Prozesses stand in den Hallen auf dem Werksgelände in Witten-Heven nur noch eine einzige Maschine am selben Platz wie vorher. Gleichzeitig haben Methoden und Prinzipien wie Lean Management, just in time oder das Pull-Prinzip Einzug in die Fertigung gehalten. Das heißt, erst wenn ein Kunde tatsächlich ein Hebezeug bestellt, beginnt auch dessen Produktion. Diese Arbeitsweise setzt akkurat definierte und ablaufende Prozesse voraus. Informationen sowie Teile müssen immer zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Qualität und Menge am vorgeschriebenen Ort sein.

So lassen sich Bestände reduzieren, unnötige innerbetriebliche Transporte von Teilen verringern und eine Überproduktion vermeiden. Neuhaus- Galladé: „Wir konnten zum Beispiel den Weg, den Bauteile zurücklegen bis aus ihnen in der Fertigung ein Endprodukt entstanden ist, um mehr als 90 Prozent reduzieren.“

Doch derartige Erfolge stellen sich nicht von selbst ein. Zur Aufdeckung von Verbesserungsmöglichkeiten in den Abläufen nutzte das Projektteam „plan-do-check-adjust“ (PDCA). Gemäß diesem Arbeitsprinzip der kontinuierlichen Verbesserung ließ sich nach den Ursachen forschen, warum sich erhoffte Ergebnisse nicht wie gewünscht eingestellt hatten. Mit Blick auf die Produktionsprozesse zeigte sich: Das Unternehmen wird sich nur dann weiter verbessern können, wenn die Mitarbeiter selbst, und zwar aus Produktion und Management, dazu in die Lage versetzt werden, ihre Aufgaben auch besser zu machen.

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt, um dieses Ziel zu erreichen, ist die Begegnung von allen Mitarbeitern auf Augenhöhe. Nur durch gegenseitigen Respekt lässt sich ein exzellentes Ergebnis erreichen. Der Leitgedanke, die beste Qualität zu schaffen, hat die Veränderungen in der Unternehmenskultur forciert. Auch hier spielen die Werte eine entscheidende Rolle.

Verantwortungsbewusstsein gegenüber Mitarbeitern und Kunden

Die Erfahrung der zurückliegenden Jahre zeigt, dass die Umsetzung von kontinuierlicher Verbesserung nur zu 20 Prozent von der Anwendung geeigneter „Tools“ abhängt, zu 80 Prozent jedoch von der Denkweise der Beteiligten: die Erkenntnis in Verständnis und schlussendlich in Handeln umzusetzen. „Und dies üben wir täglich gemeinsam – zurzeit unter Einhaltung der gebotenen Abstands- und Hygieneregeln, zu denen uns die Corona-Pandemie zwingt“, so Neuhaus-Galladé. „Aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber unseren Mitarbeitern aber auch gegenüber unseren Kunden, haben wir uns zum Beispiel dazu entschieden, Kundenbesuche und Servicefahrten noch genauer auf Sicherheit zu überprüfen. Die Kommunikation innerhalb des Unternehmens sowie mit Lieferanten und Kunden findet primär über Telefon und Videoanrufe statt. Zur Wissensvermittlung haben wir ferner einen virtuellen Verkaufsraum eröffnet. All dies kann jedoch den persönlichen Austausch, der uns in diesen Tagen fehlt, nur ein Stück weit ersetzen. Doch ich bin mir sicher: So wie wir in den vergangenen drei Jahrhunderten bei J.D. Neuhaus gemeinsam einige Herausforderungen gemeistert haben, so werden wir auch die aktuelle Situation meistern und gestärkt aus dieser hervor gehen.“

www.jdngroup.com

Quellen: Winfried Bauer, Chefredakteur der Zeitschrift f+h (Text), J.D. Neuhaus (Fotos)

 

 

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Veröffentlicht von

Eva Linder

Das Schöne an der VERFAHRENSTECHNIK ist für mich die Branchenvielfalt und die Nähe zum Anwender.

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